Delfshausen1

Chronik

Der Schützenverein Delfshausen

von Werner Kickler

 

Seit jeher gab es in der Bauernschaft Delfshausen ein reges Vereinsleben. Heute zählt dazu der Boßelverein, der Damenkegelclub, die Soldatenkameradschaft und der Schützenverein.

Aus dem Gründungsprotokoll geht hervor, daß sich am 09. Juni 1909 vier Männer zusammenfanden und die Gründung des Saalschießvereins „Treff-Sicher“ vollzogen.

Diese vier waren Johann Buschmann (der das Vorstandsamt übernahm), Fritz Folte (als Schriftführer), Georg Decker (als Kassierer) und der Gastwirt Hermann Hinrichs (als Schießwart).

Geschossen wurde auf der Diele der Gastwirtschaft Hinrichs mit einem Karabiner 6 mm. Vereinsbeitrag wurde nicht erhoben, abgerechnet wurde für 3 Schuß mit 15 Pfennigen für die Vereinskasse. Als Zielscheibe dienten 12er Ringscheiben, die durch Überkleben mit Schußpflaster mehrfach benutzt werden konnten. Wie heute wurden auch zur damaligen Zeit Wettkämpfe bestritten. Hauptsächlich mit dem Nachbarverein, der bei Gerhard zum Brook in Kleibrok ansässig war.

In den Jahren 1930 bis 1932 war das Vereinsleben rückläufig und kam durch den Verkauf der Gastwirtschaft Hinrichs zum Ruhen. Als jedoch 1932 die Wirtschaft vom Ehepaar Johann und Mimi Wemken erworben wurde, hatte man einen Wirt gefunden, der dieser Sportart viel Interesse entgegenbrachte. Und so gab es am 28. Mai 1932 einen neuen Anfang.

Der Gesamtvorstand wurde neu gewählt und bald darauf ein Königsschießen veranstaltet. Eine Königskette wurde von Hinrich Buschmann und dem neuen Vereinswirt Johann Wemken gestiftet. Erworben wurde sie für 8 Mark in einem Uhrenfachgeschäft in Rastede. Man hatte für den Kauf 10 Mark einkalkuliert und so blieb noch ein Rest zum Verzehr.

In der Wirtschaft Berding, heute Zollhaus Meyer, erhielt man dafür 22 Schluck, vielleicht wurde auch noch etwas dazu gelegt, so daß die Ehefrau vom Vereinswirt bei der Rückkehr nur noch sagte: „Dat hebb ick mi dacht, at dor nich veel Godes bi rut keem!“

Man hatte die Kette aber trotzdem wohlbehalten ans Haus gebracht und gut begossen. Der erste König, dem sie umgehängt wurde, wurde dann Hinrich Buschmann.

Im gleichen Jahr wurde vom Schützenbruder Karl Büsing ein Gewehrschrank mit der Inschrift „Treffsicher-Delfshausen“ angefertigt. Er hat noch heute seinen Platz im Schießstand und findet noch immer Verwendung.

In den folgenden Jahren wurden bereits viele Freundschaftswettkämpfe durchgeführt. Zum Beispiel mit Hankhausen I bei Kickler auf einem Schießstand, mit Hankhausen II bei Küpker auf der Diele und mit Kleibrok bei zum Brook.

1936 wurde ein neues Vereinsgewehr - Zimmerstutzen 4 mm - für 133 Mark in Oldenburg bei Waffen-Lemm erworben. Patronen, Bolzen und Scheiben wurden ebenfalls dort eingekauft oder bei Hülsebusch in Rastede erworben. Auch damals mußte man für 50 Patronen 4mm bereits 1 Mark bezahlen; für 24 Bolzen 70 Pfennige.

Etwas anders sah es bei den Getränken aus. Zwei Liter Korn kosteten zu der Zeit 4 Mark und wurde, wie mir erzählt hat, auch damals gerne als Zielwasser zu sich genommen.

1938 wurde vom damaligen Gastwirt Johann Wemken ein neues Wirtshaus mit Saal gebaut. Es ist das Gebäude, wo jetzt Familie Decker ihr Gasthaus betreibt.

Im Jahre 1939 zählte der Verein 41 Mitglieder. Eine stolze Bilanz, wenn man bedenkt, dass diese überwiegend aus dem kleinen Ort Delfshausen stammten. Ich möchte das Jahr 1939 aus dem Grunde besonders erwähnen, weil durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges die ersten Mitglieder zur Wehrmacht eingezogen wurden und das Vereinsleben nach und nach zum Erliegen kam.

1945 mussten dann alle Waffen abgegeben werden. So sind uns, ausser dem Gewehrschrank keine Erinnerungsstücke und nur wenige Aufzeichnungen erhalten geblieben. Diese schweren Zeiten bedeuteten für unseren damaligen Verein das vorläufige Ende.

Jedoch im Jahre 1953, am 20. Juni, fanden sich Mitglieder zur Neugründung des Saalschießvereins „Treff-sicher“ zusammen. Johann Buschmann, Sohn des Gründers unseres Vereins von 1909, führte den neuen Verein als Vorstand an. Vereinswirt war zur der Zeit Karl Decker, der die Wirtschaft von Johann Wemken gepachtet hatte. Es folgte in der Reihe der Vereinswirte August Kruse, der die Wirtschaft von 1954 bis 1955 führte.

1956 wurde dann das Lokal von Bäckermeister Bernhard Soeken käuflich erworben. In ihm hatten wir über 25 Jahre lang einen Vereinswirt, der uns als Wirt und als aktiver Schütze jederzeit vorbildlich zur Seite stand. 1978 legte er die Geschäfte in die Hände seines Sohnes, der uns in gleicher Weise unterstützt und mit Rat und Tat zur Seite steht.

Ab der Neugründung 1953 wurde der Schießbetrieb im Saal aufgenommen. Man schoß mit dem Luftgewehr. Später dann wurden in der Kegelbahn zwei Stände mit Zuganlagen aufgebaut, die nach jedem Übungsschießen wieder abgebaut werden mußten, da ja auf der Bahn auch aktiv gekegelt wurde.

An Geselligkeit hat es nie gefehlt - Spiegeleier, Schinken usw. wurde auch zu später Stunde noch gerne probiert. Sport macht bekanntlich Appetit - und Durst! So war das Stiefeltrinken sehr beliebt, es galt auch mal einen Wein zu probieren und so ist es nicht verwunderlich, daß nach solcher Stärkung so manche Dinge ausgeheckt wurden, die noch heute den älteren Schützen gut und gerne in Erinnerung sind.

Auch das Schießen mit den Nachbarvereinen hat so manches Erlebnis mit sich gebracht. Autos kannte man zwar schon, aber die allerwenigsten besaßen eins. So hat es sich ergeben, daß unser Schützenbruder Hans Hermann so manche Fahrt mit seinem Viehtransporter durchgeführt hat.

Mit den Nachbarvereinen Loy, Nethen, Südbäke und Großenmeer wurden Wanderplaketten ausgeschossen, man beteiligte sich am Ammerländer Wanderwettschießen, an Kreis- und Bezirksmeisterschaften. Dabei wurden gute Ergebnisse erzielt, wie es die vorne in der Gaststube ausgestellten Pokale und Plaketten bezeugen.

Ostern 1954 führte man erstmals das Vogelschießen ein. Etwa 10 Jahre später wurde es dann aus Gründen mangelnder Beteiligung wieder eingestellt. Der letzte Vogelkönig war unser Vereinskamerad Heinrich Niemeyer.

Im Jahre 1955 plante man einen Schießstandbau, der dann 1957 unter Vereinswirt Bernhard Soeken verwirklicht wurde. Mit den Erdarbeiten wurde am 30. April begonnen. Die Frauen hatten den Maibaum zu bewachen und die Männer tätigten den Kelleraushub. Einige von uns erinnern sich sicher noch gut daran. Alles in Eigenleistung erstellt, betrugen die Gesamtkosten 1600 DM. Die Einweihung erfolgte am 15. September des gleichen Jahres in Verbindung mit dem ersten Schützenfest.

1957 wählte man den Gesamtvorstand neu. Erster Vorsitzender wurde Heinrich Niemeyer, der sein Amt bis 1983 ausführte. Kassenführer wurde August Böning, Schriftführer Heinz Behrendt und zum Schießwart wurde Hans-Hermann Wemken gewählt. Der Verein wurde zu diesem Zeitpunkt in „Schützenverein Delfshausen“ umbenannt.

Die erste Jungschützenabteilung wurde 1959 unter der Regie von Artur Decker gegründet. Zwei Jahre später konnte die erste Vereinsfahne angeschafft werden. Sie wurde übrigens 1980 restauriert. 1963 wurde das Schützenfest erstmals zusammen mit dem Boßel - und Kegelverein ausgerichtet und erhielt den Namen „Volks- und Schützenfest Delfshausen“. Bei diesem Anlaß stellte man zum ersten Mal die Fahnenjungfern vor. In Erinnerung ist sicher noch der gewaltige Platzregen, der den gesamten Festzug auflöste. Erst nach und nach trafen die Teilnehmer wieder auf dem Festplatz ein.

1965 entstand durch die Bundeswehrzeit unseres Zweiten Vorsitzenden ein Freundschaftsverhältnis mit der Stabsbatterie des FlaRakBataillons 35 in Oldenburg. Es wurde fortgeführt bis 1969. Viele schöne Erinnerungen hängen mit dieser Zeit zusammen.

Nachdem sich eine im Jahre 1956 gegründete Damenabteilung nach kurzer Zeit wieder auflöst, wurde 1981 eine Neugründung vorgenommen. Unsere Damenabteilung hat sich gut bewährt und ist, ebenso wie unsere Jugendabteilung, wesentlicher Bestandteil unseres Vereins.

Mit der Eröffnung des neuen Schützenstandes konnte der Schützenverein Delfshausen einen regen Mitgliederzuwachs vermelden. Die Anzahl der Mitglieder wuchs in dieser Zeit von 65 auf 118 Mitglieder. Im Jahre 1996 zählt unser Verein 134 Mitglieder.

Durch den beachtlichen Zuwachs stellt der Schützenverein Delfshausen zur Zeit eine Jugendmannschaft, 3 Damenmannschaften und 4 Schützenmannschaften, in der Altersklasse  2 Damen- und 3 Männermannschaften in der Kreis- und Bezirksklasse. Das sind 52 aktive Mitglieder, die an den Rundenwettkämpfen, die sich über das gesamte Ammerland erstrecken und zum Teil auch in der Wesermarsch bzw. in Richtung Wilhelmshaven stattfinden, aktiv teilnehmen.

An einer Schülermannschaft wird zur Zeit gearbeitet. Wir hoffen, im nächsten Jahr auch hier eine  Mannschaft stellen zu können.

Durch das Wiederaufleben der Auflageschützen in der Damen- und Männerklasse ab 45 Jahre wurde so manch ehemals Aktiver wieder in das Vereinsleben zurückgewonnen. In der Schützensprache werden sie auch "de Poalschützen" genannt. Diese neu eröffneten Altersgruppen haben im Ammerländer sowie im Oldenburger Schützenbund regen Zuspruch gefunden und wurden eine Bereicherung für das gesamte Vereinswesen.

Die Beteiligung der Mitglieder am gesamten Schießsport sowie am Besuch der umliegenden Schützenfeste in Hankhausen, Nethen, Rastede, Hahn, Neusüdende und Rönnelmoor läßt erkennen, daß der Schützenverein Delfshausen ein fester Bestandteil innerhalb der Gemeinde Rastede, dem Ammerländer und dem Oldenburger Schützenbund geworden ist (durchschnittliche Teilnehmerzahl 25 Mitglieder).

Dies ist jedoch nur möglich, wenn das gesamte Vereinsleben intakt ist. An dieser Stelle möchte ich unseren Mitgliedern ein hohes Lob dafür aussprechen, das sie so treu zur Stange halten und  somit das Vereinsleben aktiv gestalten.

Wenn man die Wohnorte der einzelnen Mitglieder betrachtet, so steht bei den meisten nicht mehr Delfshausen sondern ein anderer Ort. Dies ist bedingt durch die gesamte Struktur der politischen Gemeinde. Wir sind froh darüber, daß so viele ehemalige Delfshauser unserem Verein die Treue gehalten und noch Bekannte mitgebracht haben. Zu verdanken ist dies aber auch in hohem Maße  der Unterstützung, die wir von unserem Vereinswirt Artur mit Ehefrau Selma, sowie Frank und Annelene Decker, in jeder Hinsicht erfahren.

Der Wunsch und das Bestreben des gesamten Vorstandes vom Schützenverein Delfshausen ist, daß dieses Vereinsleben noch lange Bestand haben möge. Das ist aber nur möglich, wenn auch die Bevölkerung aus Delfshausen und das Umfeld von Rastedermoor dazu beiträgt, den Verein bei  seinen Aktivitäten durch ihre Teilnahme an den einzelnen Veranstaltungen zu unterstützen. Im Vordergrund steht hier das alljährlich im September stattfindende Volks- und Schützenfest. Dieses Fest kann auf längere Sicht hin nur Bestand haben, wenn die Dorfbevölkerung entsprechend teilnimmt.